Der ADAC und die Stiftung Warentest haben in ihrem aktuellen Test drei Autokindersitze wegen lebensgefährlicher Sicherheitsmängel oder der Belastung mit Schadstoffen mit „mangelhaft“ bewertet. Auf Fake-Test-Seiten und von unseriösen Vergleichsportalen werden sie dagegen empfohlen.
Einleitung
Der Reecle Reboarder ist laut expertentesten.de „gut (2,03)“. Er sei „geeignet für sicherheitsbewusste Eltern.“ Einer der Vorteile des Sitzes seien „hohe Sicherheit und stabile Verarbeitung“. topratgeber24.de zufolge ist er sogar „sehr gut (1,5)“. Die Seite schreibt: „I-size Sicherheit Zuerst: Dieser Kindersitz mit Isofix wurde gemäß den höchsten EU-Sicherheitsstandards (Ece R129) entwickelt und getestet. Dieser Kindersitz mit Isofix ermöglicht es Ihrem Kind, in absoluter Sicherheit zu reisen.“

Auf kita.de (oben) ist der Reecle „Vergleichssieger“ und „Empfehlung Nr. 1“. Auf bestereviews.de bekommt er 9,8 von 10 Sternen und ist damit „Außerordentlich“. Beide Seiten liefern zur Begründung lediglich die Produktinformationen von Amazon. Mehr zu besterevies.de lesen Sie hier: bestereviews.de. Unser Fazit: Wir machen uns gerne über solchen Schwachsinn lustig. Aber eigentlich ist das Ganze traurig. Denn es lohnt sich offenbar für die Betreiber, weil viele Userinnen und User darauf reinfallen.
Den Nomad Plus von Maxi Cosi bewertet testsieger.de mit „Empfehlenswert (74 von 100)“. Kundenbewertungen hätten ergeben: „Das Produkt bietet eine sichere und bequeme Möglichkeit, Kinder im Auto zu transportieren. Durch die hochwertige Verarbeitung und komfortable Polsterung ist es sowohl für kurze als auch längere Fahrten geeignet.“
Unsere Einschätzung
Unsere Einschätzung: Für den ADAC/die Stiftung Warentest ist der Reecle „mangelhaft (5,0)“. Der Grund sind Sicherheitsmängel: „Beim Frontalcrashversuch mit dem entgegen der Fahrtrichtung angeschnallten Dummy löste sich die Sitzschale von der Unterkonstruktion. Die Sitzschale blieb über den Top-Tether-Gurt mit dem Fahrzeug verbunden, dennoch wirbelte der Dummy mitsamt der Sitzschale durch das Fahrzeug.“

Expertentesten hätte das Testergebnis kennen müssen. Denn die Seite schreibt: „Immer wieder liest man über Teststudien von Stiftung Warentest und vom ADAC, welche die Kindersitze getestet haben. Wir wollten natürlich wissen wie die Kindersitze von anderen Einrichtungen getestet werden und haben uns informiert.“ Angeblich wurde der so genannte Test von Expertentesten zuletzt am 28.10.2025 aktualisiert. Aber schon am 1.10.2025 gab es eine Vorabmeldung der Stiftung Warentest zum Testergebnis des Reecle.
Der Beitrag von Expertentesten ist überschrieben mit: „Kindersitz Gruppe 0+ Test – damit die Kleinsten im Auto sicher mitfahren.“ „Als erfahrene Mutter und Testerin habe ich gemeinsam mit meinem Team 76 Stunden investiert, um Produkte bis ins Detail zu prüfen“, schreibt eine Stefanie Heinrich. Über sich sagt sie: „Ich bin 32 Jahre jung, Mutter 2er Kinder (3 Monate und 5 Jahre) und in Leverkusen zu Hause.“ Erstaunlich ist, dass sie und ihre Kinder nicht älter werden. Denn das gleiche hat Stefanie Heinrich auch zwei Jahre zuvor gesagt, als sie angeblich Kindersitze der Gruppe 1-3 getestet hat. Doch mutmaßlich ist sie ein Phantom. Denn Expertentesten hat laut eigener Darstellung „über 70 freie und feste Mitarbeiter – davon rund 50 Redakteure.“ Unter der Überschrift „Die Redaktion von ExpertenTesten“ werden allerdings nur zwölf Menschen aufgeführt. Klickt man bei denen den Button E-Mail-schreiben an, geht sie an advertising@ expertentesten.de, also an die Werbungabteilung. Und dem letzten veröffentlichten Jahresabschluss für das Jahr 2023 zufolge waren es sogar nur drei Mitarbeiter.
Im Jahr 2022 hat die angebliche Stefanie Heinrich vermutlich (wir haben damals nur das „Testergebnis“ dokumentiert, nicht aber die Autorin) den Comfort UP von Kinderkraft mit „gut (1,80)“ bewertet, obwohl nichts getestet und vor allem kein Crashtest durchgeführt wurde. Im Test des ADAC/der Stiftung Warentest schnitt er „mangelhaft (5,5)“ ab, weil es ein „hohes Risiko beim Seitenaufprall bei vorgeschriebener Verwendung ohne Rückenlehne ab 25 kg" gibt (mehr dazu lesen Sie hier: Autokindersitze). Da Expertentesten mit seiner Empfehlung „gut (1,80)“ somit zumindest grob fahrlässig möglicherweise tödliche Verletzungen von Kinder in Kauf genommen hat (was umso mehr für den aktuellen „Test“ gilt), hatten wir Strafanzeige erstattet. Im Zuge der Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass der im Impressum angegebene Firmensitz das Wohnhaus die Eltern eines Geschäftsführers der Ever-Growing GmbH ist, die Expertentesten verantwortet. Büros gab es dort nicht, nur einen Postkasten der Firma.
Das Phantom Stefanie Heinrich ist aber nicht nur Expertin für Baby, Kind und Haushalt. Am 3.12.2024 testet sie Walkie-Talkies. Am 13.02.2025 erklärt sie, wie lange die Reise zum Mars dauert. Am 10.02.2025 beantwortet sie die Frage: Streit um Oberleitungs-Lkw – Zukunftstechnologie oder Sackgasse? Am 30.06.2025 testet sie Wein und fordert ihre Leser auf: Entdecken Sie mit mir die besten Markenweine, ihre Geschichten, Trends und wie man sie richtig lagert und verkostet. Am 17.03.2025 schreibt sie über Zuwanderung in Deutschland: Wirtschaftliche Chancen und Kriminalitätsdebatte. 15.11.2024 klärt sie als Klimaexpertin über den CO₂-Fußabdruck der Superreichen – Milliardäre und ihr Umwelteinfluss auf und am 3.6.2025 hat sie die „10 Besten Kinderwunsch-Kapseln“ unter die Lupe genommen.

Der Nomad Plus von Maxi Cosi ist wegen der Schadstoffbelastung für den ADAC/die Stiftung Warentest „mangelhaft (4,6)“. Dagegen war der Sitz am 21.11.2025 auf testsieger.de „Empfehlenswert (74 von 100)“. Grundlage Waren allein „Meinungen“ im Internet. Am 24.11. sank die Bewertung auf „Ansprechend (63)“. Offenbar hatte man da den Test zur Kenntnis genommen. Doch nicht „mangelhaft“, sondern „Ansprechend“ lautet die Bewertung jetzt, denn man hatte die 626 Meinungen von Usern (durchschnittlich 4,3 von 5 Sternen) in den Test-Score einfließen lassen. Sie konnten allerdings nicht von der immensen Schadstoffbelastung wissen. Das belegt einmal mehr den verbrauchertäuschenden Unsinn solcher Durchschnittnoten, in die Ergebnisse von seriösen wie unseriösen Tests und Vergleichen sowie Bewertungen von Usern einfließen. Mehr zu testberichte.de lesen Sie hier: Durchschnittsnoten. Unser Fazit: Das Vorgehen von allen Seiten, die Durchschnittsnoten bilden, ist unterdurchschnittlich schlecht.
Zudem schreibt testberichte.de: „Sehr gute Schadstoffbewertung“. Dazu kann man nur sagen: Wer lesen kann, ist im Vorteil und noch besser ist, wer das Gelesene auch versteht. Das Urteil „Gesundheit und Umweltschutz“ ist nämlich „mangelhaft“. Denn der Bezug des Nomad Plus „enthält sehr hohe Mengen der umweltschädlichen Fluorchemikalien PFAS. Der gemessene Gehalt überschreitet den Grenzwert der EU-Reach-Verordnung deutlich“, so die Stiftung Warentest.
Nicht zuletzt sehen der ADAC/die Stiftung die Punkte Sicherheit und Verarbeitung anders als die von testberichte.de zitierten User. Sie bewerten die Sicherheit gerade einmal mit „ausreichend“. Der Grund: „Im Crashtest bildete sich beim Frontaufprall ein Riss in der Lehne, der Dummy wurde mit dem Kopf weit nach vorn geschleudert“, schreibt die Stiftung Warentest.
Auch der Chipolino Olympus i-Size hat wegen Sicherheitsmängeln „mangelhaft (5,5)“ abgeschnitten. Zu ihm haben wir auf Fake-Test-Seiten aber nichts gefunden. Allerdings wohl nur, weil laut Hersteller die Produktion eingestellt wurde.
Fazit: Crashtests, die über die Sicherheit von Autokindersitzen Auskunft geben, können und wollen sich nur der ADAC/die Stiftung Warentest leisten. Fake-Test-Seiten und Vergleichsportale wollen lediglich durch die Weiterleitung von Usern an Shops Geld verdienen. Dafür sind schlechte Noten hinderlich.
